Mit dem Fahrrad 712km quer durch Deutschland

Quer durch Deutschland – Mit dem Fahrrad 712 km von Karlsruhe nach Berlin in 4 Tagen

KA-Bln FahrradAnfang Mai hatte ich beschlossen, mal nicht trampend oder mit der Bahn nach Berlin zu fahren, sondern mit dem Fahrrad. Ich musste eh noch das Traum der Radtour von 2012, die von Klaipeda in Litauen nach Tallinn führen sollte, ich aber nach 80 km aufgegeben musste bewältigen. Generell pflege ich eher eine Hassliebe zu meinem Fahrrad. Es ist mein am meisten genutzte Verkehrsmittel, aber ich habe immer das Gefühl, es muss öfters repariert werden als bei anderen.
Jedenfalls schusterte ich mir bis Ende Mai ein meiner Meinung nach tourenfähiges Fahrrad zusammen, bestellte noch einen Fahrradcomputer und eine Lenkertasche. Diese ließ ich allerdings an meine erste Station schicken, da der Versand mit Hermes erfolgte und ich kein Risiko eingehen wollte, dass die Tasche nach meiner Abfahrt erst in Karlsruhe ankommt (sie wurde eine Woche eher abgeschickt).

Tag 1, 2.6., Karlsruhe -> Tauberbischofsheim
169,25 km – 9:20h Fahrzeit – unterwegs von 7Uhr-18Uhr

Um fünf in der Früh stand ich auf, um dann pünktlich um sieben aus Karlsruhe loszufahren. Der Verkehr war ruhig, ich fuhr an meiner Tramperstelle vorbei und verfuhr mich aber recht schnell. Ich hatte mir einen Zettel mit den Stationen ausgedruckt und musste ihn mangels Lenkertasche auf der Querstange festkleben. Es ging. Von Zeit zu Zeit musste ich aber anhalten und einen Blick in den Atlas werfen.

Dieses Teilstück war wohl das hügeligste der ganzen Reise. Außerdem musste ich noch Erfahrungen sammeln, was Pausen und Verpflegung anging.
Nach 11 Stunden kam ich dann in Tauberbischofsheim an – jedoch total unterzuckert. Ich konnte mich schlecht konzentrieren und meine Hände zitterten ein wenig. Die Tankstelle, an die die Lenkertasche geliefert werden sollte, hatte das Päckchen noch nicht erhalten. Ich sollte direkt beim nahegelegenen Lager oder morgen zwischen zehn und elf Uhr vorbeischauen. Ich fuhr zum Lager, das allerdings verlassen war und daher anschließend erst einmal einkaufen.
Danach wieder zum Lager, wo aber immer noch niemand war. Daher entschied ich mich, am nächsten Tag später loszufahren und suchte mir am Rande eines Feldes einen Platz, wo ich mir Nudeln kochte und mein Zelt aufbaute.

Tag 2, 3.6., Tauberbischofsheim -> Schwarza
160,87 km – 8h Fahrzeit – unterwegs von 10.45Uhr-21.15Uhr

Natürlich schlief ich mich ein bisschen aus, körperlich und mental war ich aber in hervorragender Verfassung – keinen Muskelkater oder sonstige Schmerzen. Ich fuhr also um 10.30 zur Tanke und tatsächlich, das Paket mit der Lenkertasche war da. Super! Schnell montiert und weiter ging es.
Fahrradwege versuchte ich aus mehreren Gründen zu vermeiden:
-schlechte Beschilderung
-hören mittendrin auf oder biegen irgendwohin ab (siehe Punkt eins)
-hohe Bordsteinkanten, es muss immer gebremst werden

Deshalb fuhr ich lieber stur auf den Landes- und Bundesstraßen. Ich wurde auch – bis auf einmal und das war während dieses Abschnittes – angehupt. Die Autofahrer stellten sich, ob in der Stadt oder auf dem Land als sehr tolerant heraus. Auf diesem Abschnitt fuhr ich durch ein paar der “lustigen” Orte wie Poppenhausen oder Billigheim. Die Strecke war wieder etwas hügelig und in Würzburg fuhr ich etwas mehr als eine Stunde planlos herum und kam nur noch mit Hilfe einer kurzen GPS-Positionsbestimmung heraus.
Muskelkater in den Beinen stellte sich noch nicht ein, dafür begann das Hinterteil zu schmerzen. Ein wenig k.o. freute ich mich, hinter dem Etappenziel Schwarza neben einem Waldweg mein Lager aufschlagen zu können und die tägliche Portion 250g Nudeln plus Soße einzunehmen.

Tag 3, 4.6., Schwarza -> Mücheln, Geiseltalsee
162,69 km – 8:30h Fahrzeit – unterwegs von 9.45Uhr-21.30Uhr

Am Morgen entdeckte ich eine Hütte 100m weiter den Weg hinauf, an deren Tisch ich frühstückte und wo ich meine Zeltplane trocknen konnte. Gleich am Anfang fand ich auch ein Samsung S2 am Straßenrand, welches ich erst einmal in meinen Rucksack packte.
Über den einzigen geplanten Zwischenstopp ging es dann nach Erfurt, wo ich super durchgekommen bin und auf dem Anger noch eine Thüringer Bratwurst aß. In Buttstädt gönnte ich mir dann ein extrem leckeres Nussbrot und fuhr dann an der beeindruckenden Unstruttalbrücke vorbei. Hinter der Brücke musste ich aber wieder einige Umwege fahren und auch über die schlechteste Straße der ganzen Fahrt: eine alte Kupfer- und Weinstraße von Altenroda nach Wennungen. Dann waren es aber nicht mehr viele Kilometer bis an den Geiseltalsee. Dort musste ich aber erst einmal ein Plätzchen finden. Ein sehr freundlicher Camper gab mir dann einen Tipp, sodass ich die regnerische Nacht trocken überstand. Nachdem ich in dem See baden war, fand ich sogar eine Flasche Budweiser in meiner Unterkunft vor.

Tag 4, 5.6., Mücheln -> Berlin
219,23 km – 9:10h Fahrzeit – unterwegs von 9.20Uhr-20.50Uhr

Eigentlich habe ich für die Strecke fünf Tage eingeplant. Aber da ich zur Abwechslung keinen Gegenwind hatte, sondern diesen diesmal im Rücken, hoffte ich, dass das Fahrrad die 220km durchhielt. Das ich es körperlich schaffen würde, daran bestand kein Zweifel. Nach 30km erreichte ich Halle (Saale), wo ich mich natürlich wieder einmal verfuhr. Bei Raguhn gab das Fahrrad dann komische Geräusche von sich. Nach einem Einkauf inspizierte ich das Rad noch auf dem Parkplatz und Gott sei Dank musste nur die Schraube des Schutzbleches wieder festgezogen werden.
In Lutherstadt Wittenberg war ich 15 Uhr. Von dort sind es noch 100 km bis nach Hause. Also nahm ich die Herausforderung an. Zum Glück war es möglich, der B2 zu folgen. Ich benutze sogar häufig den Radweg daneben. So jagte ich Berlin mit 30 km/h entgegen. Bei Beelitz kaufte ich noch Spargel und musste bei Potsdam dann feststellen, dass ich wieder Umwege in Kauf nehmen musste. Aber die Unwegsamkeiten hielten mich nicht bei meiner Fahrt nach Berlin auf und so kam ich dann um 20.50Uhr gesund und munter zu Hause an.


Weitere Informationen:
-2 Fahrradtaschen für den Gepäckträger, ca. 6kg je Tasche
-1 Rucksack auf dem Gepäckträger
-1 Lenkertasche
-28″ Zoll Herrenrad
-3kg abgenommen, 14802kcal verbraucht (Tagesrichtwert für Aufnahme beträgt 2000kcal)
-Höchstgeschwindigkeit: 60,4 km/h
-Durchschnittsgeschwindigkeit: 20,3 km/h
-Routenplanung auf Openrouteservice mit Rennrad als Auswahl

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